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Wirtschaftsausblick: Konjunktur muss harten Winter überstehen - Sprengkraft der Euro-Krise wird immer größer
(nf/red/28.11.11) Abgeschwächte Weltkonjunktur, Schuldenkrise im Euro-Raum: Die Rahmenbedingungen für die deutsche Wirtschaft haben sich nach Einschätzung der OECD deutlich verschlechtert. In ihrem Ausblick sagen die Experten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ein trübes Winterhalbjahr mit allenfalls minimalen Wachstumsraten voraus. Erst Mitte 2012 wird die Konjunktur demnach wieder an Dynamik gewinnen. Mit dieser Prognose steht die Bundesrepublik noch vergleichsweise gut da. Andere Industriestaaten leiden laut OECD auch weiterhin unter enormer Verschuldung und hoher Arbeitslosigkeit. Für die USA sehen die Experten sogar die Gefahr einer Rezession. Das "herausragende Risiko für die globale Wirtschaftsentwicklung" bleibe jedoch die ungelöste Euro-Krise. Die OECD ist in äußerster Sorge, da "in jüngster Zeit auch Länder ins Schussfeld geraten sind, deren Finanzen bisher als relativ stabil galten." Die Organisation fordert rasches und entschiedenes Handeln.

Audio zum Thema (Autor: Matthias Widder)

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Originaltext der OECD:

+++ Die wirtschaftlichen Aussichten Deutschlands haben sich zum Jahresende deutlich eingetrübt. Schuld daran ist vor allem das geschwundene Vertrauen der Investoren und, damit einhergehend, ein verschlechtertes Geschäftsklima. War die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal 2011 noch auf Vor-Krisenniveau geklettert und hatte sich im dritten Quartal robust entwickelt, so zeigt sich die wirtschaftliche Dynamik gegen Ende des Jahres stark verlangsamt. Ausgehend vom Referenzszenario des aktuellen Wirtschaftsausblicks der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), wird die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland bis ins Frühjahr hinein schwach bleiben und erst Mitte 2012 wieder Fahrt aufnehmen. Im Jahr 2013 dürfte das Wachstum stärker ausfallen als in anderen Mitgliedern des Euro-Raums, nicht zuletzt, da kein nennenswerter Abbau von Privat- und Unternehmensschulden erfolgen muss.

Das verhaltene Wachstum zum Jahresende 2011 macht sich auf dem Arbeitsmarkt noch nicht bemerkbar: die Arbeitslosenquote ist weiter gefallen und befindet sich jetzt auf dem tiefsten Stand seit zwei Jahrzehnten. Dieser Trend wird auch bis ins Jahr 2013 anhalten, allerdings merklich gebremst durch das langsamere Wachstum 2012. Positiv bewertet der Ausblick die verbesserte finanzielle Lage der öffentlichen Haushalte in Deutschland.

Die Situation der Weltwirtschaft hat sich seit dem Frühjahrsausblick der OECD deutlich verschlechtert. Viele OECD-Länder kämpfen mit hoher Arbeitslosigkeit und der Konsolidierung ihrer Haushalte. Schwellenländer verzeichnen zwar noch immer gesundes Wachstum, aber auch hier hat sich das Tempo verlangsamt. Nur klare politische Weichenstellungen können die Schuldenkrise in der Euro-Zone eindämmen und die nötigen Signale geben, um das Wirtschaftsklima zu verbessern.

Laut OECD-Wirtschaftsausblick ist die Euro-Krise noch immer das herausragende Risiko für die globale Wirtschaftsentwicklung. Das Gefahrenpotenzial wird noch dadurch vergrößert, dass in jüngster Zeit auch Länder ins Schussfeld geraten sind, deren Finanzen bisher als relativ stabil galten. Wird den Sorgen der Märkte nicht Rechnung getragen, drohen massive Störungen des Wirtschaftsgefüges und eine neue Kreditknappheit.

“Die Aussichten verbessern sich nur dann, wenn schnell und entschieden gehandelt wird”, sagte OECD Chef-Volkswirt Pier Carlo Padoan. “Um die Ansteckungsgefahr in der Euro-Zone einzudämmen, muss der Europäische Rettungsfonds erheblich aufgestockt und die Europäische Zentralbank mit einbezogen werden. Diese deutlich erhöhte „Feuerkraft“ muss mit Reformen einhergehen, die fahrlässigem Verhalten entgegenwirken.”

Ein anderer Risikofaktor ist die Lage in den USA: Sollte kein Weg gefunden werden, die Sparmaßnahmen abzumildern, die per Gesetz ab 2013 greifen, könnte das die Wirtschaft in eine Rezession stürzen, die durch politische Mittel kaum noch aufzufangen wäre. Eine überzeugende mittelfristige Finanzplanung in den Vereinigten Staaten ist Grundvoraussetzung für das Basis-Szenario des Wirtschaftsausblicks, das von verbesserten Wachstumsaussichten ausgeht.

Weiterhin nimmt das Basis-Szenario an, dass es den politischen Entscheidungsträgern gelingen wird, ungeordnete Staatsbankrotte zu verhindern. Kreditverknappungen, systemische Insolvenzen von Banken und extreme Straffungen der Geldpolitik sind in dem Szenario ebenso wenig vorgesehen. Erfüllen sich diese Voraussetzungen, dann ist OECD-weit von diesem zum kommenden Jahr mit einem Rückgang des realen BIP-Wachstums von 1,9 auf 1,6 Prozent zu rechnen. 2013 würde die Wachstumsrate dann wieder auf 2,3 Prozent pro Jahr ansteigen. Die Arbeitslosigkeit würde bei diesem Szenario für die kommenden beiden Jahre bei hohen 8 Prozent verharren.

Ein alternatives Szenario gibt einen wesentlich finstereren Ausblick: Es würde greifen, wenn sich die bereits existierenden Bedenken bezüglich des Bankensektors verschärfen und die Schuldenkrise in der Eurozone auf andere Länder übergreifen würde oder, wenn die USA durch die politische Patt-Situation gezwungen wären, eine extrem restriktive Finanzpolitik zu betreiben.

Der Wirtschaftsausblick empfiehlt eine Reihe von länderspezifischen Maßnahmen, die eingeleitet werden sollten, falls die makro-ökonomische Situation aus dem Ruder läuft. Dazu gehören:

    * Stabilisierung des Finanzsektors
    * Absicherung des sozialen Netzes
    * Lockerung der Geldpolitik.

(...) +++

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Hinweis der Redaktion: Für den Inhalt dokumentierter Originaltexte sind die angegebenen Autoren verantwortlich. NachrichtenFormat.de gibt keine Gewähr für Aktualität, Vollständigkeit und Richtigkeit.
 
 

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