literatur

Hyperintelligenz: Mit Hirndoping, Schnittstelle und Mind-Upload in die Zukunft?
(nf/red/04.02.12) Wissen erwerben, Erlerntes abrufen, Zusammenhänge erkennen, Verknüpfungen herstellen, Hintergründe ausleuchten, Ideen hervorbringen, Strategien entwickeln, Folgen abschätzen, Handlungsmuster entwerfen . . . Die Facetten menschlicher Intelligenz sind so vielfältig, dass ein universelles Begriffsverständnis kaum möglich scheint. Fest steht: Intelligenz gilt in hoch entwickelten Gesellschaften als zentrale Ressource. Eine an Effizienzkriterien ausgerichtete Anwendung verspricht Wachstum, Wohlstand, Fortschritt, persönlichen Erfolg oder auch individuelles Glück. Grund genug für die Wissenschaft, nach Wegen zur künstlichen Optimierung der kognitiven Leistungsfähigkeit zu suchen: Genmanipulation, Chemiekeule oder eine technisch unterstützte Symbiose von Gehirn und Computer? Der Arzt und Neurowissenschaftler Thomas Grüter hat sich intensiv mit diesen Methoden auseinandergesetzt und sieht sie überwiegend mit Skepsis. Sein Buch "Klüger als wir? Auf dem Weg zur Hyperintelligenz" ist eine ebenso kritische wie anschauliche und unterhaltsame Bestandsaufnahme über Visionen, Versprechungen und den Versuch, in eine neue Dimension der Intelligenz vorzustoßen. Im Vorwort fragt Grüter: "Was dürfen wir erwarten, wenn die Computer selbst die klügsten Menschen hinter sich lassen?" Der Titel ist im Spektrum Akademischer Verlag erschienen.
   
Originaltext des Spektrum Akademischer Verlag:

+++ (...) In Klüger als wir? erläutert der Arzt und Neurowissenschaftler Thomas Grüter zunächst, was Intelligenz eigentlich ist und wie man sie misst. Er belegt, dass es weder eine einheitliche Definition noch eine sichere Messmethode gibt. Vergleiche des Intelligenzquotienten über Generationen hinweg haben kaum Aussagekraft, Vergleiche zwischen Völkern und Rassen sind grob irreführend. Dann beschreibt er die Entwicklung der menschlichen Intelligenz von ihren Anfängen an und weist nach, dass die Vorstellung von der Überlegenheit des Menschen über die Tiere aufgrund seiner einmaligen Intelligenz ein Mythos ist. Erst die Entwicklung bestimmter gesellschaftlicher Strukturen am Ende der Altsteinzeit verschaffte dem Homo sapiens entscheidende Vorteile. Nicht so sehr seine individuelle Intelligenz, sondern insbesondere seine Fähigkeit zur komplexen Arbeitsteilung hat dem Menschen die Herrschaft über die Erde ermöglicht.

Aus diesem Grund wird das derzeit viel beschworene individuelle Neuro-Enhancement keinen großen Effekt haben – zumal nach Grüters Einschätzung keine der gegenwärtig diskutierten Methoden überhaupt zum Erfolg führen kann. Eine universale „Intelligenzpille“ gibt es nicht, und schon gar keine ohne unerwünschte Nebenwirkungen. Auch über eine direkte Schnittstelle zwischen Gehirn und Computer wird sich die Intelligenz nicht erhöhen lassen. Zwar belegen die eindrucksvollen Erfolge der direkten Reizung des Hörnervs bei Taubheit, dass man Wahrnehmungen über Computer erzeugen und ans Gehirn weitergeben kann, aber eine allgemeine kognitive Leistungssteigerung ist auf diesem Wege nicht möglich. Und genetische Manipulationen zur Steigerung der Gehirnleistung bergen mehr Gefahren als Chancen. Schließlich geht der Autor noch der Frage nach, ob der von manchen Forschern vorgeschlagene Mind-Upload, die Übertragung des menschlichen Geistes in einen Supercomputer, möglich ist und welche Folgen er haben könnte. Und er wirft einen skeptischen Blick auf die Forschungen zur künstlichen (Hyper-)Intelligenz.

(...) +++

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