gesellschaft

Politumfrage: Schuldenkrise verschärft Zukunftsängste der Bundesbürger - Sorge um Steuern, Inflation und Altersbezüge
(nf/red/02.03.12) Die ungelöste Schuldenkrise in Europa lässt die Bundesbürger mit zunehmender Skepsis in die Zukunft blicken. Rund drei Viertel von ihnen befürchten baldige Steuererhöhungen, ebenso viele ein Anziehen der Inflation oder auch eine geringere Leistungsfähigkeit des Staates. 71 Prozent bangen um ihre Altersversorgung. Das sind Ergebnisse des aktuellen ARD-Deutschlandtrends von Infratest dimap. Beim Thema Griechenland-Krise herrscht demnach die Ansicht vor, dass eine Politik der Rettungspakete auf Dauer keine Lösung bringen kann. Innenpolitisch schwindet laut der Umfrage das Vertrauen in die schwarz-gelbe Koalition zusehends. Drei Viertel der Befragten beurteilen den Zustand des Regierungsbündnisses als schlecht. Dennoch kann sich die Kanzlerin im Ansehen der Bundesbürger auf hohem Niveau behaupten. Die Unstimmigkeiten in Zusammenhang mit der Nominierung Joachim Gaucks als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten haben ihr offenbar kaum geschadet.

Originaltext von Infratest dimap:

+++ Am Montag beschloss der Bundestag mit Stimmen der Opposition das zweite Rettungspaket für Griechenland. In der Bevölkerung findet der aktuelle Kurs in der deutschen Euro-Krisenpolitik allerdings wenig Rückhalt. Zwar wird den normalen Griechen attestiert, dass sie Unterstützung verdienen, gut die Hälfte der Bundesbürger aber hält die vom Bundestag bewilligten Kredite für falsch. Zwei Drittel betrachten weitere Hilfen inzwischen als wenig zielführend, da eine Insolvenz Griechenlands nicht mehr abzuwenden sei.

Das Verfehlen der Kanzlermehrheit bei der  Abstimmung zum Rettungspaket und die von der FDP vorangetriebene Einigung auf Joachim Gauck als Kandidaten für das Bundespräsidentenamt haben zuletzt koalitionsinterne Differenzen zutage treten lassen. Im Ergebnis wird die Zusammenarbeit in der Koalition schlechter bewertet: Nach 43 Prozent im vergangenen April halten aktuell 33 Prozent Union und FDP für Partner, die gut zusammen passen. Zweifel, dass die Koalition hält, haben aber nur wenige Bundesbürger (12 Prozent). 82 Prozent gehen davon aus, dass das Bündnis bis 2013 fortbesteht.

Die Popularität Merkels hat durch ihr Einlenken in der Kandidatenkür für die Wulff-Nachfolge kaum gelitten. Sie verliert im Urteil der Bundesbürger zwar leicht an Zuspruch, führt jedoch mit 62 Prozent Zustimmung die Politikerliste an. Deutlichere Einbußen muss dagegen Wolfgang Schäuble hinnehmen (-8), der wegen der Griechenland-Hilfen zunehmend mit Kritik in der Bevölkerung rechnen muss. Das Verhalten des FDP-Vorsitzenden bei der Gauck-Nominierung hat zwar viele positiv überrascht, nachhaltige Wirkung aber hat es nicht: Philipp Rösler legt nur leicht zu (+3) und belegt im Urteil der Bundesbürger nach wie vor den letzten Platz (21 Prozent).

Das Nachgeben Merkels in der Wulff-Nachfolge hat ihr auch deshalb nicht geschadet, weil der Kandidat überzeugt: Zwei Drittel halten Joachim Gauck für eine gute Wahl. Sein aktuelles Ansehen fußt vor allem auf seiner Parteiferne, weniger auf der Zustimmung zu seinen Positionen: 75 Prozent halten ihn für eine gute Wahl, weil er keiner Partei angehört. Die inhaltlichen Positionen Gaucks stoßen eher auf ein geteiltes Echo: 40 Prozent signalisieren ihr Einverständnis. Etwa ebenso viele (36 Prozent) geben an, zu einigem, was Gauck zuletzt geäußert hat, eine andere Position zu beziehen.

Die koalitionsinternen Differenzen der letzten Tage sind an der Union spurlos vorbei gegangen. Die Union könnte mit 37 Prozent der Stimmen (+1) rechnen, der beste Wert für sie im ARD-DeutschlandTREND in dieser Legislaturperiode. Ihr Koalitionspartner FDP verharrt mit 3 Prozent auf dem Niveau des Vormonats. Die Opposition im Bundestag kann von den jüngsten Konflikten in der Koalition nicht profitieren. SPD und Grüne geben erneut jeweils 1 Punkt ab. Die Sozialdemokraten kämen aktuell auf 28 Prozent, die Grünen auf 14 Prozent. Die Linke hätte wie im Vormonat 7 Prozent in Aussicht. Die Piraten wären mit 7 Prozent (+1) aktuell im Bundestag vertreten.

(...) +++

Infolink zur Originalquelle

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