gesellschaft

Flucht und Vertreibung: Immer mehr Menschen müssen sich vor bewaffneten Konflikten in Sicherheit bringen - Rekordanstieg befürchtet - "Eine der schlimmsten Perioden der letzten Jahrzehnte"
(nf/red/20.12.13) Krieg und Terror, Verfolgung und Vertreibung: Weltweit sind immer mehr Menschen gezwungen, ihre Heimat zu verlassen, weil sie dort keinen ausreichenden Schutz finden und andernorts ihr Überleben sichern müssen. Für das zu Ende gehende Jahr rechnet das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) mit einem Rekordanstieg bei der Gesamtzahl der Flüchtlinge. Bereits 2012 waren laut UNHCR mehr als 45 Millionen Menschen auf der Flucht. 2013 dürfte diese Zahl noch übertroffen werden, da die Flüchtlingsströme weiter zugenommen haben. Hauptursache sind massive bewaffnete Konflikte wie in Syrien, Somalia oder Afghanistan. In der Bilanz des Flüchtlingshilfswerks heißt es, mit Blick auf Flucht und Vertreibung handele es sich um "eine der schlimmsten Perioden der letzten Jahrzehnte".

Originaltext des UNHCR:

+++ Auf Grundlage der heute veröffentlichten 'Mid-Year Trends 2013' befürchtet UNHCR einen Rekordanstieg der Weltflüchtlingszahlen für das ablaufende Gesamtjahr. Hauptursache hierfür ist der Syrien-Konflikt.

UNHCR warnte heute auf Basis des aktuellen Berichts 'Mid-Year Trends 2013', dass in diesem Jahr ein trauriger Rekord bei der weltweiten Zahl von Flüchtlingen und Binnenvertriebenen erreicht werden könnte. Allein im Berichtszeitraum Januar bis Ende Juni 2013 mussten 5,9 Millionen Menschen innerhalb ihres Heimatlandes oder über dessen Grenzen hinweg fliehen, im Vergleich zu 7,6 Millionen im gesamten Jahr 2012. Hauptursache hierfür ist der Syrien-Konflikt.

Signifikanter Anstieg von Flüchtlingen und Binnenvertriebenen

Der UNHCR-Bericht 'Mid-Year Trends 2013' basiert überwiegend auf Informationen, die von den mehr als 120 UNHCR-Länderbüros zur Verfügung gestellt wurden. Er zeigt einen starken Anstieg mehrerer wichtiger Indikatoren: 1,5 Millionen Menschen wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres zu Flüchtlingen, im Vergleich dazu waren es im gesamten Vorjahr 1,1 Millionen Flüchtlinge. Insgesamt gibt es weltweit nun 11,1 Millionen Flüchtlinge, das entspricht einem signifikanten Anstieg um 600.000 Flüchtlinge im ersten Halbjahr 2013.

Auch die Anzahl der Menschen, die innerhalb ihre Heimatlandes fliehen mussten (Binnenvertriebene), ist stark angestiegen: So weist der Bericht für das erste Halbjahr 2013 vier Millionen neue Binnenvertriebene aus, im Jahr 2013 waren es insgesamt 6,5 Millionen. Damit steigt die Zahl der Binnenvertriebenen unter dem Mandat von UNHCR von 17,7 Millionen auf 20,8 Millionen.

Asylbewerberzahlen ebenfalls auf Rekordhoch

Zusätzlich wurden im ersten Halbjahr weltweit 450.000 Asylanträge registriert, was ungefähr dem Niveau des Vorjahres entspricht. Insgesamt wird im Bericht das erste Halbjahr 2013 mit Blick auf Flucht und Vertreibung als "eine der schlimmsten Perioden der letzten Jahrzehnte" bezeichnet.

"Es fällt schwer, solche Zahlen zu sehen und nicht danach zu fragen, warum heutzutage so viele Menschen zu Flüchtlingen oder Binnenvertrieben werden", so UN-Flüchtlingskommissar António Guterres. "Humanitäre Organisationen leisten lebensrettende Hilfe, aber wir können Kriege nicht verhindern oder beenden – dafür bedarf es politischer Bemühungen, sowie politischen Willens und darauf muss auf internationaler Ebene sehr viel mehr gemeinsames Augenmerk gelegt werden."

Politische Lösungen gefordert

Aufgrund der massiven Eskalation neuer Konflikte ist die weltweite Flucht und Vertreibung mit rund 45,2 Millionen Betroffenen auf dem höchsten Stand seit den frühen 1990er Jahre. Diese Zahl bezieht sich auf Ende 2012 - aktualisiertes Datenmaterial für das gesamte Jahr 2013 wird erst Mitte 2014 verfügbar sein - und es ist zu befürchten, dass dieser Höchststand aufgrund des Syrien-Konfliktes noch übertroffen wird.

Gleichzeitig kehrten während der ersten sechs Monate im Jahr 2013 insgesamt 189.300 Flüchtlinge in ihre Heimatländer zurück, während 33.700 in Rahmen von Resettlement-Programmen (Neuansiedlung von Flüchtlingen aus Erstzufluchtsländern) in Drittstaaten aufgenommen wurden. Rund 688.000 Binnenvertriebene kehrten an ihre Heimatorte zurück. Afghanistan ist noch wie vor das Hauptherkunftsland von Flüchtlingen (2,6 Millionen); Pakistan beherbergt die meisten Flüchtlinge (1,6 Millionen).

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