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Schwaches Wachstum: Weltweit steigt die Zahl der Arbeitslosen - Prekäre Beschäftigung und Abbau von qualifizierten Arbeitsplätzen sind "alarmierend"
(nf/red/13.01.17) Weltweit bleibt das Wirtschaftswachstum zu schwach, um genügend Menschen in qualifizierte und angemessen bezahlte Jobs zu bringen. Die Folge: Global gesehen wird die Zahl der Arbeitslosen in diesem und im kommenden Jahr deutlich steigen und wieder über der 200-Millionen-Marke liegen. Zu diesem Ergebnis kommt die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in ihrem neuen Bericht. Skeptisch sieht der Report vor allem die Entwicklung in Lateinamerika und in Teilen Afrikas. Für Nordamerika und Europa erwartet die ILO zwar einen leichten Rückgang der Erwerbslosenquoten. Sorge bereiten hier jedoch strukturelle Probleme wie die Langzeitarbeitslosigkeit. Insgesamt beklagt die ILO das beharrlich hohe Niveau an prekären Arbeitsplätzen und den gleichzeitigen Abbau von qualifizierter Beschäftigung. Dieser Trend sei alarmierend und gelte selbst für Länder mit vergleichsweise guten Wirtschaftsdaten. So warnt die ILO in ihrem Ausblick: Globale Unsicherheit und der Mangel an menschenwürdiger Arbeit verstärkten sozialen Unfrieden und die Migrationsbereitschaft in vielen Teilen der Welt.



Originaltext der ILO:

+++ Für 2017 wird ein moderater Anstieg der globalen Arbeitslosenrate von 5,7 auf 5,8 Prozent erwartet, das entspricht einem Anstieg um 3,4 Millionen arbeitslosen Menschen, so der neue ILO-Bericht „World Employment and Social Outlook – Trends 2017 (WESO)“.

2017 wird die Anzahl der arbeitslosen Menschen weltweit auf über 201 Millionen prognostiziert  – mit einem erneuten Anstieg um 2,7 Millionen im Jahr 2018. Das Angebot an guter Arbeit hält mit dem Anstieg der Erwerbsbevölkerung nicht Schritt.

(...)

“Wir stehen vor der doppelte(n) Herausforderung, die Schäden in Folge der globalen Wirtschaft- und Sozialkrise zu beheben und genügend gute Arbeitsplätze für Millionen Menschen zu schaffen, die jedes Jahr neu in das Erwerbsleben eintreten,“ so ILO-Generaldirektor Guy Ryder.

„Das Wirtschaftswachstum ist enttäuschend und entwickelt sich zu schwach. Dies betrifft das Wachstumsniveau generell als auch die Möglichkeit, genügend Arbeitsplätze zu schaffen, was zu einer besorgniserregenden Entwicklung in der globalen Wirtschaft führt. Das beharrlich hohe Niveau an prekären Arbeitsplätzen, zusammen mit einem Abbau von qualifizierter Beschäftigung – selbst in den Ländern mit vergleichsweise guten Wirtschaftsdaten -  ist alarmierend. Wir müssen sicherstellen, dass die Gewinne des Wachstums allen zugute kommen“, so Guy Ryder.

Der Bericht belegt, dass prekäre Formen der Beschäftigung – darin einbezogen sind mitarbeitende Familienangehörige und bestimmte Gruppen von Selbständigen – für das Jahr 2017 bei über 42 Prozent der Gesamtbeschäftigung liegt, das sind 1,4 Milliarden Menschen weltweit.

Zwei von drei Menschen in Schwellenländern arbeiten in prekären Beschäftigungsformen, in Entwicklungsländern liegt die Zahl bei mehr als vier von fünf Arbeitern. Der Anstieg der Menschen in prekärer Beschäftigung wird auf 11 Millionen pro Jahr geschätzt, Südasien und Sub-Sahara-Afrika sind überproportional betroffen.

Gegensätzliche regionale Trends

Die Herausforderungen der Arbeitslosigkeit sind besonders akut in Lateinamerika und der Karibik, wo die Einschnitte der letzten Rezession auch im Jahr 2017 ihre Fortsetzung finden. Sub-Sahara-Afrika befindet sich inmitten des geringsten Wirtschaftswachstums innerhalb der letzten zwei Dekaden. Beide Regionen sind mit einem starken Anstieg junger Menschen im erwerbsfähigen Alter konfrontiert.
 
Für 2017 wird im Gegensatz dazu die Arbeitslosigkeit in Industrieländern auf 6,2 Prozent (von 6,3 Prozent) fallen. Die Erholung auf dem Erbeitsmarkt erfolgt zu langsam und es zeigen sich Anzeichen für strukturelle Arbeitslosigkeit. In Europa und Nordamerika verharrt die Langzeitarbeitslosigkeit auf hohem Niveau, verglichen mit den Vorkrisen-Jahren. Im Fall von Europa steigen diese Zahlen weiter, auch bei geringerer Arbeitslosenquote ingesamt.

Mangel an menschenwürdiger Arbeit verstärkt  sozialen Unfrieden und Migrationsbereitschaft

Die Erfolgsaussichten der Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen , die Armut abzuschaffen, wird durch den langsamen Rückgang in der Gruppe der Working Poverty gefährdet, so ein weiterer Befund des Berichts. Nach diesen Schätzungen wird die Anzahl der Arbeiter in Entwicklungsländern, die weniger als 3,10 US-Dollar pro Tag verdienen, auf mehr als 5 Millionen über die nächsten zwei Jahre ansteigen.

Globale Unsicherheit und der Mangel an menschenwürdiger Arbeit verstärkt sozialen Unfrieden und die Migrationsbereitschaft in vielen Teilen der Welt.

Zwischen 2009 und 2016 erhöhte sich der Anteil der Erwerbsbevölkerung mit Migrationsbereitschaft in fast allen Weltregionen, außer in Südasien, Südostasien und dem Pazifik. Der stärkste Anstieg ist in Lateinamerika, der Karibik und in den Arabischen Staaten zu verzeichnen.

Aufruf zur Internationalen Zusammenarbeit

Koordinierte Bemühungen für fiskalische Anreize in den Ländern und ein Anstieg der öffentlichen Investitionen im Rahmen der Möglichkeiten würde einen sofortigen Anstoß für die globale Wirtschaft geben und die weltweite Arbeitslosigkeit für 2018 um nahezu zwei Millionen verringern, gemessen an der Prognose der ILO. Diese Maßnahmen erfordern jedoch internationale Kooperation.

Die Beförderung von gerechtem und inklusivem Wirtschaftswachstum erfordert einen multidimensionalen Ansatz, der die zugrundeliegenden Ursachen der Stagnation, wie Einkommensungleichheiten einbezieht, so resümiert "World and Social Outlook - Trends 2017".

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