gesellschaft

Unterernährung: Weltweit steigt die Zahl der Menschen, die unter Hunger leiden - 815 Millionen betroffen
(nf/red/12.10.17) Im Kampf gegen Hunger und Unterernährung gibt es in vielen Ländern enorme Fortschritte - andere fallen dagegen weit zurück. Die Folge: Weltweit nimmt die Zahl der hungernden Menschen wieder zu. Sie liegt nunmehr bei 815 Millionen, wie aus dem neuen Welthunger-Index hervorgeht. Bewaffnete Konflikte und die Folgen des Klimawandels sind demnach die Hauptursachen dafür, dass sich die Ernährungslage in zahlreichen Regionen der Erde dramatisch verschlechtert hat. Am härtesten trifft es laut dem Bericht Menschen in Südasien und in Afrika südlich der Sahara. Angesichts der Befunde fordert die Welthungerhilfe verstärkte Anstrengungen. Vor allem in armen Ländern müssten Menschen besser gegen Naturkatastrophen und Hungersnöte gewappnet sein. Kriegs- und Krisenländer bräuchten politische Lösungen zur Beilegung der Konflikte.

Originaltext der Welthungerhilfe:

+++ Die Bekämpfung des Hungers macht Fortschritte, aber diese werden durch Kriege und Folgen des Klimawandels in Teilen wieder zunichte gemacht. Dies zeigt der neue Welthunger-Index, der die Ernährungslage in 119 Ländern berechnet. Die Werte zur Hungersituation sind weltweit seit dem Jahr 2000 um gut ein Viertel gefallen. Gleichzeitig drohen in Ländern wie dem Südsudan, Nigeria, Somalia und dem Jemen derzeit sogar Hungersnöte und ist die absolute Zahl der Hungernden auf 815 Millionen Menschen gestiegen. Besonders dramatisch ist die Lage in der Zentralafrikanischen Republik, wo es seit 2000 keine Verbesserung gab. Das Land bildet weltweit das Schlusslicht im Index.

(...)

„Unser Bericht zeigt erneut, dass bewaffnete Konflikte weiterhin die größten Hungertreiber sind. Mehr als die Hälfte aller Hungernden leben in Ländern mit kriegerischen Auseinandersetzungen. Konflikte und Klimawandel treffen die Ärmsten der Armen am stärksten. All unsere bisherigen Erfolge werden dadurch gefährdet. Wir müssen sicherstellen, dass die Menschen besser für Extremsituationen wie Naturkatastrophen gewappnet sind. Gleichzeitig brauchen wir für viele Krisenregionen wie etwa Syrien oder dem Jemen politische Lösungen. Nur durch verstärkte Anstrengungen können wir unsere Verpflichtung, den Hunger bis 2030 zu besiegen, einhalten“, betont Bärbel Dieckmann, Präsidentin der Welthungerhilfe.

Der Welthunger-Index 2017 zeigt, dass sich in 14 Ländern die Werte im Vergleich zum Jahr 2000 um mindestens 50 Prozent verbessert haben. Dazu gehören u.a. Senegal, Brasilien und Peru. In den Regionen Südasien und Afrika südlich der Sahara leiden am meisten Menschen unter Hunger. In acht Ländern wie dem Tschad oder Sierra Leone ist die Situation gravierend oder sehr ernst. In 13 Ländern war eine Berechnung aufgrund der Datenlage nicht möglich.

Auch Ungleichheit trägt zu Hunger bei. Besonders marginalisierte Bevölkerungsgruppen wie Frauen, ethnische Minderheiten oder Kleinbauern sind durch ihre rechtliche, soziale und wirtschaftliche Benachteiligung besonders vom Hunger bedroht. „Was die Fortschritte im Kampf gegen den Hunger massiv beschleunigen würde, wäre gute Regierungsführung in den Ländern. Regierungen, die klare Prioritäten im Kampf gegen den Hunger setzen und diese auch durchsetzen und dabei die Benachteiligten im eigenen Land mit einbeziehen“, sagt Klaus von Grebmer vom Internationalen Forschungsinstitut für Ernährungs- und Entwicklungspolitik (IFPRI) in Washington DC.

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