gesellschaft

Humanitäre Migration: Deutschland ist Fluchtpunkt für Millionen
(nf/red/02.11.17) Deutschland müsse sich verändern, verlangte Kanzlerin Merkel vor mehr als zwei Jahren, als sie ihre Kehrtwende hin zu einer offenen Flüchtlingspolitik verkündete. Dass sich seither tatsächlich vieles gewandelt hat, bestätigen jetzt neue Daten des Statistischen Bundesamtes. Demnach hat sich die Zahl der Menschen, die aus humanitären Gründen in die Bundesrepublik gekommen und zumeist auch geblieben sind, innerhalb von zwei Jahren mehr als verdoppelt. 1,6 Millionen Schutzsuchende meldet die Behörde zum Stichtag 31.12.2016. Fast zwei Drittel davon sind Männer. Das Durchschnittsalter beträgt 29 Jahre. Die wichtigsten Herkunftsländer sind Syrien, Afghanistan und Irak. Gut der Hälfte der Flüchtlinge wurde ein Schutzstatus zuerkannt. Unabhängig davon, ob ein solcher Rechtstitel vorliegt, beträgt die durchschnittliche Aufenthaltsdauer sechs Jahre. Unklar ist den Angaben zufolge die Einordnung von weiteren knapp 400.000 in Deutschland registrierten Migranten. In diesen Fällen lasse sich nicht ermitteln, ob es sich um Schutzsuchende handele oder nicht.

Originaltext des Statistischen Bundesamtes:

+++ Am 31.12.2016 waren 1,6 Millionen Schutzsuchende in Deutschland registriert, das waren 16 % der ausländischen Bevölkerung. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) auf Basis des Ausländerzentralregisters (AZR) weiter mitteilt, stieg die Zahl der Schutzsuchenden seit dem Jahresende 2014 um 851 000 (+ 113 %). Schutzsuchende sind Ausländerinnen und Ausländer, die sich unter Berufung auf humanitäre Gründe in Deutschland aufhalten. Dazu zählen beispielsweise Personen, die sich noch im Asylverfahren befinden, anerkannte Flüchtlinge nach der Genfer Konvention, subsidiär Schutzberechtigte sowie abgelehnte Asylbewerberinnen und Asylbewerber, die sich weiterhin in Deutschland aufhalten. 392 000 Ausländerinnen und Ausländer bleiben unberücksichtigt, weil sich auf Basis der Angaben im AZR derzeit nicht eindeutig bestimmen lässt, ob es sich um Schutzsuchende handelt oder nicht.

Schutzsuchende lassen sich nach dem so genannten Schutzstatus unterscheiden. Schutzsuchende, über deren Asylantrag noch nicht entschieden wurde, haben einen offenen Schutzstatus. Am Jahresende 2016 waren dies 573 000 (36 %). 872 000 Schutzsuchende (54 %) verfügten über einen humanitären Aufenthaltstitel und damit über einen anerkannten Schutzstatus. Überwiegend war diese Anerkennung jedoch nur befristet (600 000). Bei 158 000 Schutzsuchenden wurde der Antrag auf Asyl abgelehnt. Diese Personen waren daher ohne Schutzstatus und grundsätzlich ausreisepflichtig. Bei 75 % (118 000) war diese Ausreisepflicht aufgrund einer Duldung jedoch vorübergehend ausgesetzt.

Die Zahl der Schutzsuchenden ist von 2014 auf 2016 in den neuen Ländern (ohne Berlin) um 153 % gestiegen. Der prozentuale Anstieg fiel damit stärker aus als in den alten Bundesländern (mit Berlin) mit + 107 %. In den neuen Ländern (ohne Berlin) ist der Anstieg größer, weil hier im Jahr 2014 anteilig sehr viel weniger Schutzsuchende registriert waren als in den alten Ländern. Den größten prozentualen Zuwachs gab es in Brandenburg (+ 180 %), den niedrigsten in Hamburg (+ 73 %). In absoluten Zahlen lebte 2016 die große Mehrheit (85 %) der Schutzsuchenden in den alten Bundesländern (mit Berlin) – die meisten in Nordrhein-Westfalen (429 000 Personen oder 27 % aller Schutzsuchenden), die wenigsten in Bremen (23 000 Personen oder 1 %). Der Anteil der Schutzsuchenden an allen Ausländerinnen und Ausländern war in Sachsen-Anhalt mit 37 % am höchsten und in Bayern mit 11 % am niedrigsten.

Etwa die Hälfte aller Schutzsuchenden kam aus drei Herkunftsländern: Syrien (455 000), Afghanistan (191 000) und Irak (156 000). Die meisten Schutzsuchenden mit offenem Schutzstatus kamen aus Afghanistan (129 000). Die Mehrheit der Schutzsuchenden mit befristeter Anerkennung stammte aus Syrien (347 000). Bei der unbefristeten Anerkennung waren die Hauptherkunftsländer Russland und Irak (jeweils rund 31 000 Personen). Die meisten Schutzsuchenden mit abgelehntem Antrag kamen aus Serbien (17 000) und Albanien (15 000).

Der Anteil der männlichen Personen unter den Schutzsuchenden lag bei 64 %. Im Vergleich dazu waren 53 % der ausländischen Bevölkerung und 49 % der Bevölkerung insgesamt männlich. Schutzsuchende waren im Schnitt 29,4 Jahre alt. Das Durchschnittsalter der ausländischen Bevölkerung lag dagegen bei 37,6 Jahren, das Durchschnittsalter der Bevölkerung insgesamt (Stand: Juni 2016) bei 44,2 Jahren.

Methodische Hinweise:

Als Schutzsuchende werden Ausländerinnen und Ausländer bezeichnet, die sich aus humanitären Gründen in Deutschland aufhalten. Zu ihnen zählen im Einzelnen jene Ausländerinnen und Ausländer,

a)     die sich zur Durchführung eines Asylverfahrens in Deutschland aufhalten (Schutzsuchende mit offenem Schutzstatus),

b)    denen ein befristeter oder unbefristeter Schutzstatus anerkannt wurde (Schutzsuchende mit anerkanntem Schutzstatus),

c)     die sich nach einer Ablehnung im Asylverfahren oder nach Verlust ihres humanitären Aufenthaltstitels als Ausreisepflichtige in Deutschland aufhalten (Schutzsuchende mit abgelehntem Schutzstatus).

Die Datenbasis ist das Ausländerzentralregister (AZR). Im AZR waren am 31.12.2016 rund 392 000 Ausländer registriert, bei denen sich wegen unvollständiger Angaben nicht ermitteln lässt, ob es sich um Schutzsuchende handelt oder nicht. Andererseits existiert als Folge der Registrierungsabläufe in den Erstaufnahmeeinrichtungen im Jahr 2015 im AZR eine unbekannte Zahl von mehrfach erfassten Ausländerinnen und Ausländern. Die hier genannte Anzahl der Schutzsuchenden kann daher von der tatsächlichen Zahl der in Deutschland lebenden Schutzsuchenden abweichen.

(...)

+++

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